ItaliaReisen

Hafenstädte (früher und heute)

Nun war Aufbruch vom Campingplatz angesagt. Weil unsere Fähre nach Sardinien aber erst spät abends abfuhr, gab es schon wieder einen kompletten Tag, den wir irgendwie totschlagen mussten.

Mit dem eigenen Auto nochmal ins überfüllte Stadtzentrum wollten wir natürlich auch nicht und so war unser erstes Ziel Ostia Antica, die ursprüngliche Hafenstadt Roms, die inzwischen wegen Verlandung einige Kilometer vom Meer entfernt liegt. Praktisch die komplette Stadt existiert aber noch als Ruinen und vor allem verlieren sich dort, im Vergleich zu den Menschenmassen in der römischen Innenstadt, nicht so viele Besucher hin.

Es sei denn, man kommt dort just in dem Moment an, wenn gerade die Reisebusse die ganzen römischen Schulklassen zu ihren Schulausflügen abladen.

Man muss aber sagen, auf dem Gelände wurde es dann schnell wieder recht entspannt.

Sowieso stellt sich bei mir da die Frage, ob hier so wenig los ist, weil alle diesen Ort nur mit ihrer Schulzeit verbinden? Schließlich war ich ja selbst auch das erste Mal mit unserer Studienfahrt zu Beginn der 13. Klasse hier. 

Wobei mir vor allem zwei Dinge von damals in guter Erinnerung geblieben sind.

Erstens war da dieses opulente Picknick, dass wir auf irgendwelchen alten römischen Treppenstufen hatten. Was sticht einem also heute als erstes am Ticketschalter ins Auge? Das dicke „Picknick auf dem Gelände verboten“ Schild. (Und ja, wir hatten auch diesmal dafür eingekauft.)

Meine zweite Erinnerung bezieht sich darauf, dass man hier richtig seinen Forscherdrang ausleben konnte, wenn man durch die Reste alter Häuser irrt und dabei in diesem Labyrinth des Öfteren in Sackgassen landet. Was ist aus dieser Sache heute geworden? Nun, die eigenen Kinder sind es, die einen fragen, warum ich denn nicht auf den vorgegebenen Wegen bleibe.

Hab ich etwa was bei der Erziehung falsch gemacht?

Überhaupt ist mein Eindruck nach den Tagen in Rom, dass der katholische Glitzer beim Nachwuchs besser angekommen ist, als die römischen Ruinen. Wobei die Jungs behaupten, daran wäre nur die Hitze Schuld gewesen.

Wie auch immer, nachdem wir nach längerer Sucherei dann auch die antiken Toiletten gefunden hatten, war es Zeit zum nächsten Ort aufzubrechen.

Es wurde der Erstkontakt mit dem Mittelmeer. Ein kleiner gemütlicher Badenachmittag in Santa Severa, gleich neben einem malerischen Kastell.

Weiter ging es anschließend zum eigentlichen Ziel des Tages, der aktuellen Hafenstadt Roms, Civitavecchia, wo unsere Überfahrt beginnen sollte.

Dort steuerten wir zunächst das Hafenbüro an, weil ich mich unbedingt versichern wollte, dass der komische Ausdruck, den wir bei der Buchung über den ADAC bekommen haben, auch wirklich als reguläres Bordticket akzeptiert wird. Und dann mussten wir natürlich noch was zu Abend essen, denn die Zeit bis zur Abfahrt der Fähre war immer noch lang. Das größte Problem bestand dabei darin, überhaupt erstmal einen Parkplatz zu finden.

Auch wenn es in Civitavecchia hübsche Ecken hatte (wie auf diesem Bild zu sehen) so galt das nicht für die ganze Stadt. Zu den weniger vertrauenswürdigen Orten zählte auch unser Parkplatz am Bahnhof, weswegen wir nach dem Essen zeitig zur Fähre aufbrachen.

Und jetzt ging wieder die große Warterei los. Wahrscheinlich müsste man die Logistik ja schon bewundern, mit der so eine Fähre komplett geleert und sofort wieder für die Weiterfahrt befüllt wird. Es zieht sich aber trotzdem gewaltig. Vor allem, wenn es sich bei unserem Schiff um die Cruise Roma handelte, welche laut Wikipedia eine der längsten Fähren der Welt ist/war. Tatsächlich fehlen nach meiner Recherche nur noch 15 Meter zur Länge der Titanic.

Die offizielle Abfahrtzeit war 23:59, aber selbst nach fast zwei Stunden warten um 23:00 bewegte sich auf dem Parkplatz überhaupt nichts. Erst ab halb zwölf durften sich sehr langsam die ersten Autos in Bewegung setzen und bis wir in unserer Kabine waren, wurde es beinahe halb eins.

Zu diesem Zeitpunkt waren aber immer noch bei weitem nicht alle Autos an Bord.

Wobei ich so im Nachhinein schon den starken Verdacht habe, dass wir da einfach auf einen psychologischen Marketing-Trick reingefallen sind, denn eine offizielle Abfahrtszeit um 23:59, das ist zwar spät, zählt aber halt trotzdem irgendwie gerade noch zum Abend. Hingegen, wer wäre denn schon so verrückt und würde freiwillig eine Fähre buchen, die erst mitten in der Nacht um 1:15 ablegt? 

Was meinen Verdacht vor allem stützt: Wieso wären wir sonst am nächsten Morgen pünktlich am Ziel angekommen?

Aber billig war die Überfahrt halt schon.

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