Auf dem Weg zum Donauradweg
Bevor wir mit der Radtour beginnen konnten, musste erst einmal die Anfahrt bewältigt werden: Fast neun Stunden quer durchs Land mit der Deutschen Bahn. Da gibt es doch sicher so einiges zu erzählen, oder?

Den größten Nervenkitzel gab es jedenfalls direkt zu Beginn: 21 Minuten Umsteigezeit in Mannheim, aber von dem Regionalzug, der uns von Hagsfeld aus dorthin bringen sollte, war auch 10 Minuten nach der ausgeschriebenen Abfahrtszeit noch keine Spur zu sehen. Er kam dann allerdings kurz darauf, und in Mannheim hatten wir nur noch sieben Minuten Verspätung. Das hat für ein halbwegs entspanntes Umsteigen in den ICE nach München gereicht.

Fahrradständer im ICE.
So eine ICE-Fahrt ist schon was Feines. Die Kinder schauen per WLAN Filme wie im Flieger, und man kommt bequem und richtig schnell vom Fleck – auch wenn es die Schnellfahrstrecke nur bis Stuttgart gab und es danach etwas langsamer weiterging.

Leider brachte uns die Bahn aber nicht auf direktem Weg mit dem ICE nach Passau, sodass nach München noch drei weitere Züge zum Umsteigen auf uns warteten. Der erste sollte uns dabei nur vom Münchner Hauptbahnhof zum Ostbahnhof bringen. Zwischendurch hatten wir ernsthaft in Erwägung gezogen, diese Strecke einfach mit dem Fahrrad quer durch die Innenstadt zurückzulegen. Laut Google Maps hätte die Umsteigezeit dafür gereicht, aber die Berechnungen der voraussichtlichen Fahrzeiten fürs Radfahren sind dort doch oft recht ambitioniert. Und das dann in einer viel befahrenen Gegend mit vielen Ampeln? Da blieben doch Zweifel.
Da wir sogar zwei Minuten zu früh in München ankamen, schauten wir erst einmal nach dem vorgesehenen Anschluss. Als uns die Schaffner dann auch gleich zu den freien Fahrradplätzen winkten, war die Entscheidung für die Weiterreise praktisch schon für uns getroffen – auch wenn diese Plätze ganz am Ende eines wirklich langen Zuges lagen und der Weg dorthin durchaus in ein kleines Sprinten ausartete.
Die Weiterfahrt vom Ostbahnhof erfolgte dafür in einem angenehm leeren Zug, was direkt ein gutes Beispiel für Entschleunigung im Urlaub war: Gefühlt fuhren wir oft nur Schritttempo, und auf entgegenkommende Bahnen musste ebenfalls des Öfteren gewartet werden.

Und so kam es dann in Mühldorf zu dem einzigen verpassten Anschluss der Reise. Da half es auch nicht, dass unser Schaffner noch versuchte den folgende Zug zum Warten zu bewegen. Die DB-Navigator-App hatte die Hoffnung zu diesem Zeitpunkt sowieso längst aufgegeben. Also hieß es: eine Stunde Aufenthalt in Mühldorf. Immerhin blieb genug Zeit, um sich etwas Vesper und Getränke zu besorgen. Die einzige Sehenswürdigkeit des Ortes, die uns aufgefallen ist, war sowieso die große Fuß- und Radlerbrücke über den Bahnhof. Da die Aufzüge dort klein und besonders langsam waren, war es im Nachhinein wahrscheinlich ganz gut, dass wir uns hier nicht abhetzen mussten.
Die letzte Etappe stand aber immer noch aus: Zurückgelegt wurde diese mit einem in die Jahre gekommenen Triebwagen, der meiner Meinung nach fast schon als Nostalgiezug durchgegangen wäre. So zuckelte dieser dann über die bayerischen Dörfer, laut quietschend auf den zunehmend kurvigeren Schienen. Zweieinhalb Stunden dauerte allein dieses Teilstück noch einmal, und die kamen einem dann doch ziemlich lang vor. Auch wenn das natürlich immer noch ein relativ entspanntes Reisen ist, kamen einem in dieser Zeit (oder überhaupt in den viereinhalb Stunden, die wir von München bis nach Passau gebraucht haben) doch schon Gedanken, welche Strecken man wohl in der gleichen Zeit auf der Autobahn oder in einem echten Schnellzug zurückgelegt hätte.

Endlich in Passau angekommen, waren es eigentlich nur noch knapp über zwei Kilometer bis zum Hotel – verbunden allerdings mit 80 Höhenmetern! Zum Vergleich: Das entspricht gut zwei Dritteln des Aufstiegs auf den Turmberg. Das war also direkt die erste richtige Bergwertung des Urlaubs. Entsprechend durchgeschwitzt kamen wir im Hotel an und entschieden ziemlich schnell, dass wir einen weiteren Ausflug in die tiefer gelegene Altstadt für diesen Abend lieber meiden wollten.
