ItaliaReisen

Die ewige Stadt (ist überfüllt)

Der weitere Weg nach Rom war überraschend entspannt. Möglicherweise, weil Sonntag war oder weil unser Ziel, der Campingplatz, wirklich genau auf der Grenze zwischen Umland und Verkehrschaos lag.

Allerdings kamen wir zur denkbar ungünstigsten Zeit dort an. An der Rezeption war Nummernziehen angesagt, und über 50 Zahlen lagen noch zwischen uns und dem Check-in. Also warteten wir fast eine Stunde in sengender Hitze.

Ohne diese Anstrengung wäre mir dann vielleicht auch aufgefallen, dass uns neben unserem Mobilheim-Schlüssel dort aus zunächst unerfindlichen Gründen auch eine Key-Card ausgehändigt wurde. Mit der richtigen Benutzung dieser Key-Card wären wir später nicht vor dem Problem gestanden, dass im Mobilheim keine Lichter funktionierten, und wir hätten dies nicht an der Rezeption reklamieren müssen. Unsere Jungs wären daraufhin auch nicht mit der Servicefachkraft konfrontiert worden, die nach ebenjener Key-Card fragte, während sich die Eltern immer noch an der Rezeption rumtrieben, um sich den römischen ÖPNV erklären zu lassen. Der Servicemann war aber auch verdammt schnell vor Ort.

Der Campingplatz selbst war eindeutig auf Städtereisende optimiert. Die Mobilheime standen dicht an dicht wie kleine Reihenhäuser. Trotzdem hatten wir eine recht ruhige Ecke erwischt und unser Mobilheim war groß und modern. Wir hätten uns nur über mehr warmes Wasser in der Dusche und einen Nudelseiher bei den Küchenutensilien gefreut. Dachte letzteres wäre gerade in Italien Grundausstattung.

Schon vor der Check-in-Warterei hatten wir beschlossen, uns am selben Tag keinen Ausflug mehr in die Innenstadt anzutun. Stattdessen gab es erst mal Abkühlung im kleinen Campingplatz Swimmingpool.

Am nächsten Morgen haben wir uns dann in das Verkehrschaos gestürzt. Bzw. der Linienbus, der direkt vor dem Campingplatz abfuhr, hat das für uns getan. Was waren wir da froh, dass wir diese paar Kilometer zur nächsten Metrostation nicht mit dem eigenen Auto zurücklegen mussten. Weiter ging es von dort mit der vollen U-Bahn zum Kolosseum.

Dort war erst mal Warten angesagt, denn wir waren sicherheitshalber früher aufgebrochen, nachdem schon die Reservierung der Time-Slot-Tickets 30 Tage vorher ein großer Kampf gewesen war. Wir reden von gesperrten IP-Adressen, weil man die Bestellseite zu oft geladen hatte, und von Warenkörben, die man dann nicht bezahlen konnte.

Zum Glück gab es für das Warten Schattenplätze.

Die gab es dann bei der Besichtigung nur noch begrenzt.

Nach einer kurzen Vesperpause ging es anschließend weiter durch das Forum Romanum Richtung Innenstadt.

Zunächst mit einem Schlenker über den Palatin-Hügel, der zumindest wieder etwas mehr Schatten bot.

Was man vom Rest des Forums nicht unbedingt sagen kann – etwas doof, wenn man den Ausgang zuerst nicht findet und dann nachdem man endlich draußen ist von Touri-Piraten überfallen wird.

Nächstes Ziel, weil nächstes gebuchtes Time-Slot-Ticket, war das Pantheon. Weil wir wieder etwas zu früh ankamen, blieb noch Zeit für ein leckeres Eis.

Dank des Online-Tickets mussten wir uns auch nicht in Schlangen über den gesamten Platz anstellen. Voll war es aber trotzdem drin.

Irgendwo ist natürlich klar, dass wir damit Teil des Problems sind, wenn man sich halt so auf die großen Highlights stürzt.

Dabei ist wahrscheinlich viel eher ein Reiz von Rom, dass man in der Altstadt in eine x-beliebige Kirche am Wegesrand gehen kann – und man wird mit Sicherheit beeindruckt von der Inneneinrichtung sein. Na, wer hätte die folgenden Gotteshäuser gekannt?

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir dann schon einen Deal mit Elias gemacht, dass es am nächsten Tag noch Poolabkühlung gibt, wenn wir heute das volle Programm schaffen.

Also noch einen kurzen Umweg über die Piazza Navona, die eigentlich erst mal fußwegtechnisch in die verkehrte Richtung lag, denn als Nächstes war Abendessen angesagt.

In fremden Großstädten tue ich mir oft schwer, mich für ein Restaurant zu entscheiden. Man weiß angesichts der Möglichkeiten nicht recht wohin, fängt an, Speisekarten und Online-Bewertungen zu studieren, und macht dadurch alles noch schlimmer. Zum Glück hatten wir aber bereits vor dem Urlaub entdeckt, dass es das Lieblingsrestaurant unseres letzten Rom-Trips von vor 22 Jahren immer noch gibt. Also war das jetzt das Ziel, und auch wenn die dortige Speisekarte nun nicht mehr gefühlt 100 Spaghetti-Sorten zur Auswahl hatte wie damals, zeigte sich: Mit italienischem Essen kann man einfach nicht viel falsch machen. Günstig für vier Personen war es obendrein. Ich bin mir nur nicht mehr so sicher, was ich vom speziellen römischen Flair halten soll, dass man dort eigentlich gemütlich in einer engen Gasse sitzt, aber hin und wieder rast ein Auto direkt nur ein paar Zentimeter neben einem vorbei.

Gleich um die Ecke vom Restaurant ist der Trevi-Brunnen. Dort hatten wir uns mal keine Online-Tickets geholt, und ich würde das im Nachhinein auch nicht empfehlen. Auch ohne Tickets sieht man noch genug vom Brunnen. Man darf halt bloß nicht mehr in die vorderen Reihen, was wahrscheinlich für ein richtig optimales Selfie notwendig wäre. Auf den Brunnenrand darf man sich dann aber selbst mit Ticket nicht mehr setzen – das war früher auch noch erlaubt. Tut natürlich trotzdem dauernd jemand, woraufhin dann ständig ein bademeisterähnlicher Pfiff durch den Platz tönt.

Letzter Stopp des Tages war dann die Spanische Treppe. Auch hier hat der Overtourism dafür gesorgt, dass das Hinsetzen eigentlich für illegal erklärt wurde. Hat aber scheinbar niemanden gestört, obwohl Polizei vor Ort war. Immerhin kamen wir gerade noch rechtzeitig für den Sonnenuntergang.

Und nachdem wir dann sogar noch einen nicht verschlossenen U-Bahn-Eingang gefunden hatten, ging es auch schon wieder heim.

Es war wirklich genug Programm für einen Tag.

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