Alle Wege führen nach Rom
Nach ein paar Jahren Pause entstaube ich hier mal wieder unser kleines Reiseblog. Unter anderem, um mich zum wiederholten Male daran zu erinnern, dass es an Pfingsten einfach keine gute Idee ist, die Schweiz mit dem Auto zu durchqueren. Jedenfalls dann nicht, wenn man keinen Spaß daran hat, sehr, sehr viel Zeit im Stop-and-go zu verbringen: Stau nach Ettlingen, Stau durch einen Unfall bei Freiburg, Stau durch eine Baustelle in ganz Basel, Stau durch einen Unfall vor Luzern, Stau – warum auch immer – im Tunnel unter Luzern und natürlich die 45 Minuten Wartezeit vor dem Gotthard, auf die man sich ja wenigstens schon seit der Abfahrt eingestellt hatte.

Somit haben wir beim dritten Anlauf, mit dem „Trick“ des Losfahrens am Freitag einem mutmaßlich noch größeren Chaos am Samstag zu entgehen, mit den sieben Stunden, die wir bis zu unserer Unterkunft im Hotel Baldi gebraucht haben, den absoluten Negativrekord aufgestellt.

Immerhin hat es etwas Gutes, wenn man dann eine Art Stammunterkunft hat, bei der man bei seiner Ankunft um 21:30 Uhr direkt beim Einchecken an der Rezeption noch zwei leckere Pizzen für das kleine angeschlossene Restaurant ordern kann. Damit ist dann erstmal alles wieder in Ordnung, und es stört auch nicht, dass der Übernachtungspreis für die etwas heruntergekommenen Zimmer wahrscheinlich ein bisschen zu hoch ist.
Am nächsten Tag ging es nach ein paar freien Kilometern dann aber gleich mit den Staus weiter. Und so zog es sich äußerst zäh, bis wir endlich die italienische Grenze überquert hatten.
Die Vorbeifahrt an Mailand kostete hingegen weniger Zeit als befürchtet, und so wurde es langsam an der Zeit, an einen geeigneten Zwischenstopp zu denken, denn wir hatten für die nächste Zwischenübernachtung „nur“ ein Motel an der Autobahn, bei dem ich nicht unbedingt schon um 16:00 Uhr ankommen wollte.
Was macht man in solchen Situationen heutzutage? Man fragt eine freundliche KI, welche der zahlreichen namhaften Orte auf der Strecke für so etwas am besten geeignet wäre. Und so wurde es nicht der ursprüngliche Favorit Bologna (wofür es zumindest irgendwann im Urlaubsfilm eine offensichtliche Vertonung gegeben hätte), sondern Modena, weil das überschaubarer und das Stadtzentrum verkehrstechnisch mutmaßlich einfacher erreichbar war. Was sich dann auch im Großen und Ganzen mit unseren Erfahrungen gedeckt hat.

Wir spazierten also dort zum Dom, genossen unseren ersten italienischen Kaffee und staunten über die vielen Italiener, die hier bei 30 Grad noch in schicken Anzügen unterwegs waren.

Pünktlich ging es dann weiter, vorbei an Bologna und Florenz, über das am besten ausgebaute Autobahnstück des ganzen Urlaubs. Gut, von der Landschaft hat man halt nicht so viel gesehen, weil gefühlt die halbe Strecke durch Tunnel verlief.

Und so erreichten wir nach der längsten Etappe der Hinreise schließlich das Moody Motel kurz hinter Florenz, was sich als nette Überraschung erwies: nicht so direkt an der Autobahn gelegen wie befürchtet, stylish eingerichtet und mit einem großen Familienzimmer, in dem die Kinder sich mal nicht in Stockbetten oder auf eine Schlafcouch quetschen mussten.
Der Empfang war auch nett, und das Frühstück am nächsten Morgen sehr sättigend. Das WLAN war auch topp, was ziemlich hilfreich ist, wenn man das DFB Pokalendspiel nur über dubiose VPN Connections schauen kann. Also klare Empfehlung von uns, auch wenn es den kleinen Wermutstropfen gab, dass unser Zimmer auf seltsame Weise hellhörig gegenüber irgendwelchen Stühlen oder Tischen war, die den ganzen Abend irgendwo im Gebäude herumgerutscht wurden.
Am nächsten Tag stand dann die letzte, nun gar nicht mehr so weite Etappe nach Rom an, und obwohl unser Campingplatz dort eine verhältnismäßig frühe Check-in-Zeit hatte, ergab sich doch wieder eine Lücke von anderthalb Stunden, die es zu überbrücken galt. Also gleich wieder die KI gefragt, was man da auf dieser Strecke in dieser Zeit tun kann, und heraus kam genau ein Vorschlag: die Stadt Orvieto, auf einem Berg direkt neben der Autobahn gelegen. Ein Ort, von dem ich zugegebenermaßen vorher noch nichts gehört hatte.
Was die KI dann allerdings nicht bedacht hatte, war, dass wir von diesen anderthalb Stunden 20 Minuten an der Bezahlstation hinter der Autobahn feststecken würden. Schuld daran war zum einen ein starker Ausflugsverkehr, aber eben auch, dass wir genau in der Schlange landeten, bei der der Bezahlautomat technische Probleme hatte. Probleme, die irgendwann so stark wurden, dass dieser Automat einfach dichtmachte – genau zu dem Zeitpunkt, als wir bereits auf Position zwei in der Schlange waren. Rückwärts ging es für uns nun aber auch nicht mehr, denn dort war inzwischen eine Schranke geschlossen. Dafür konnte man nun einfach ohne zu bezahlen durchfahren, da die vordere Schranke dauerhaft geöffnet wurde. Jedenfalls hätte man das tun können, wenn die Italienerin im Wagen vor uns nicht noch geschlagene fünf Minuten versucht hätte, ihre Gebühr doch irgendwie am kaputten Automaten zu entrichten – die freie Durchfahrtmöglichkeit völlig ignorierend.
Manchmal sind mir die Italiener ein Rätsel.

Hinauf in den Ort ging es nun mit einer kleinen Zahnradbahn, bevor wir zunächst die Aussicht genossen und dann einen Spaziergang durch die Altstadt machten.

Dabei lief uns zunächst noch eine kleine Pfingstprozession über den Weg (oder warum auch immer, die hier so durch die Straßen zogen).

Eine durchaus schmucke Altstadt übrigens.

Ziel des Spaziergangs war dann der ebenfalls sehr beeindruckende Dom.

Darin faszinierte mich besonders diese Reliquie, ein Altartuch aus dem Blutwunder von Bolsena, das angeblich die Inspiration des Fronleichnamsfests war. Und ohne Fronleichnam-Feiertag wären Baden-Württemberg und Bayern vielleicht nicht auf die Idee gekommen, die zwei Feiertage in zwei Wochen zu nutzen, um daraus die Pfingstferien zu machen, damit Familien dann immer schön als vorgezogene Sommerferien in den Süden fahren können. Wir wären also ohne diesen Tuchfetzen gar nicht hier. Und die ganzen Staus auf der Strecke hätte es wahrscheinlich auch nicht gegeben.
Noch ein Wort zu den KI-Empfehlungen: in anderthalb Stunden haben wir die Stadtbesichtigung in Orvieto nicht ganz geschafft und die vermeintlich größte Attraktion des Ortes haben wir auch noch ausgelassen. Genauso wie es in Modena ein Ferrari-Museum gegeben hätte, dass unser Zeitbudget sicher gesprengt hätte. Nichtsdestotrotz hat das schon einen praktischen Wert, und der Fortschritt ist nun mal nicht aufzuhalten.
